Catalunya ist nicht Spanien?

Catalunya no es Espana!

Katalonien ist nicht Spanien!
Mit solchen Aussagen und Plakaten bekommt man es in Katalonien zuweilen zu tun.
Man mag darüber denken wie man will. An dieser Stelle jedenfalls, werden wir über die katalanischen "Besonderheiten" berichten.

Kataloniens berechtigter Ruf nach Unabhängigkeit

Als Teil Spaniens können die Katalanen nicht würdevoll leben, meint Leser Pedro Grau. Die Region sollte als eigenständige Nation in die EU aufgenommen werden.

Die große Demonstration in Barcelona am 11. September für die Unabhängigkeit Kataloniens hat womöglich bei vielen Deutschen Unverständnis oder sogar Ablehnung hervorgerufen. Viele werden die Forderung der Katalanen als anachronistisch und provinziell bezeichnen. Sie ist aber nur die logische Folge der spanischen Politik der Kränkungen, der Ausbeutung und der Schikanen der letzten 300 Jahre.
Katalonien war vom 10. bis zum 18. Jahrhundert ein unabhängiger Staat. Vom 12. bis zum 16. Jahrhundert war es mit dem Königreich Aragon und bis zum 18. Jahrhundert mit Spanien konföderiert. Im Zusammenhang des spanischen Nachfolgekrieges eroberten 1714 die vereinten Armeen der bourbonischen Könige Spaniens und Frankreichs Katalonien mit Waffengewalt, lösten alle seine politischen, kulturellen und juristischen Institutionen auf und verboten den öffentlichen Gebrauch der katalanischen Sprache. Seitdem gehört Katalonien zu Spanien, das es oft mit Waffengewalt unterdrückt und wie eine Kolonie behandelt hat.
Die katalanische Sprache, das wichtigste Merkmal der katalanischen Nation, wurde auch in den Zeiten bekämpft, in denen sie mit Ausnahme der Justiz und der Verwaltung erlaubt war. Sie wurde als Dialekt des Spanischen, als Bauernsprache und als ungeeignet für Kultur und Wissenschaft diskreditiert.
Im heutigen Spanien wird katalanisch außerhalb Kataloniens nur an drei Universitäten gelehrt, in Deutschland an mehr als einem Dutzend. Die spanischen Beamten, die in Katalonien eingesetzt werden, zum Beispiel Richter, sind nicht verpflichtet, Katalanisch zu verstehen. Unvorstellbar, dass Schweizer Richter in Genf oder in Lugano eingesetzt werden, ohne Französisch und Italienisch wenigstens zu verstehen.
Entgegen manchen Behauptungen sind die Rechte der spanischen autonomen Regionen weit entfernt von denen der deutschen Bundesländer. Die Katalanen haben schon mehrfach versucht, einen Status zu erreichen, der ihnen den würdevollen Verbleib im spanischen Staat ermöglichen würde. Ein neues Autonomiestatut wurde 2005 erarbeitet und mit 90 Prozent der Stimmen des katalanischen Landtags verabschiedet.

Anschließend hat das spanische Parlament das Statut stark beschnitten. Der katalanische Landtag hat die neue Version akzeptiert, die katalanische Bevölkerung hat ihr in einem Referendum zugestimmt, der spanische König hat sie unterschrieben, sodass das es in Kraft treten konnte. Dann aber hat das spanische Verfassungsgericht nach einer Klage der konservativen Volkspartei das Statut noch einmal in einigen Punkten eingeschränkt, die für die Katalanen entscheidend waren. Seitdem ist die Unabhängigkeitsbewegung unaufhaltsam gewachsen.

Als unabhängiger Staat würde Katalonien heute finanziell viel besser dastehen als mit dem jetzigen Autonomiestatus innerhalb Spaniens. Die Region überweist weit mehr Geld an die Zentralregierung als sie von ihr zurückbekommt. Die Differenz in den letzten zwanzig Jahren betrug mehr als 200 Milliarden Euro. Das ist der Grund für die jetzigen finanziellen Schwierigkeiten Kataloniens.

Die Deutschen können also beruhigt sein: Als unabhängige Nation wäre Katalonien kein neues Griechenland. Wenn sie frei über ihre eigenen Mittel verfügen könnten, wären die Katalanen in Europa Nettozahler. Sie würden keine Hilfen Europas benötigen und wären für die Stabilität des Euros kein Problem.

Lesermeinung von Pedro Grau, einem katalanischen Schriftsteller, der in Deutschland lebt.
Der Artikel wurde aus der "Zeit Online" entnommen.

Die .cat Domäin

Die Katalanen erhalten eine eigene Internet-Domäne mit der Endung ".cat". Die zuständige Internet-Verwaltung ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) in den USA entschied nach spanischen Presseberichten vom Samstag, dass diese Endung von Januar 2006 an benutzt werden kann. Die Regierung der autonomen spanischen Region Katalonien begrüßte die Entscheidung. Dagegen erhoben konservative Kreise in Spanien Protest. Nun entstehe der Eindruck, als wäre Katalonien ein eigenes Land oder eine Nation, beklagte die Madrider Zeitung "El Mundo". Die von der konservativen Volkspartei (PP) regierten Regionen Valencia und Balearen, in denen ebenfalls Katalanisch gesprochen wird, kündigten an, dass sie die Domäne ".cat" nicht übernehmen werden. In Katalonien wurde dagegen nach Rundfunkberichten erwartet, dass es eine Welle von Anträgen geben werde, in den Internetadressen die spanische Endung ".es" durch ".cat" zu ersetzen.

Proteste 3.12.2005

In Spanien haben kürzlich 10.000de Menschen für die Einheit des Landes und gegen die Autonomie-Bestrebungen einzelner Regionen demonstriert. Zu der Kundgebung im Zentrum Madrids kamen nach Angaben der Veranstalter etwa 200.000 Teilnehmer. Sie forderten Regionen wie Katalonien oder das Baskenland auf, Abstand von Unabhängigkeitsbestrebungen zu nehmen. Der Protest richtete sich vor allem gegen Pläne des sozialistischen Regierungschefs Zapatero für eine größere Eigenständigkeit Kataloniens. Eine vorgesehene Autonomie-Erweiterung der wirtschaftsstärksten Region Spaniens war im letzten Monat im spanischen Parlament auf den Weg gebracht worden.